{"id":144,"date":"2022-09-09T16:26:07","date_gmt":"2022-09-09T14:26:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.errare-romanum-est.de\/?p=144"},"modified":"2025-03-04T19:27:58","modified_gmt":"2025-03-04T18:27:58","slug":"003-latein-ist-schon-lange-tot","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.errare-romanum-est.de\/index.php\/003-latein-ist-schon-lange-tot\/","title":{"rendered":"003 &#8211; Latein ist schon lange tot"},"content":{"rendered":"\t\t\t<style type=\"text\/css\">#pp-podcast-485 .ppjs__script-button { display: none; } #pp-podcast-485 .pod-entry__author { display: none; }<\/style>\n\t\t\t<div id=\"pp-podcast-485\" class=\"pp-podcast single-episode has-header header-hidden has-featured playerview hide-content squr centercrop\"  data-teaser=\"\" data-elength=\"18\" data-eunit=\"\" data-ppsdata=\"{&quot;ppe-485-1&quot;:{&quot;title&quot;:&quot;003 &#8211; Latein ist schon lange tot&quot;,&quot;description&quot;:&quot;&quot;,&quot;author&quot;:&quot;&quot;,&quot;date&quot;:&quot;&quot;,&quot;link&quot;:&quot;68f3f116520d430887c3b684960cf3a9&quot;,&quot;src&quot;:&quot;68f3f116520d430887c3b684960cf3a9&quot;,&quot;mediatype&quot;:&quot;&quot;,&quot;featured&quot;:&quot;https:\\\/\\\/i0.wp.com\\\/www.errare-romanum-est.de\\\/files\\\/2024\\\/12\\\/BeitragBild.png?fit=604%2C270&#038;ssl=1&quot;,&quot;fset&quot;:&quot;https:\\\/\\\/i0.wp.com\\\/www.errare-romanum-est.de\\\/files\\\/2024\\\/12\\\/BeitragBild.png?w=604&amp;ssl=1 604w, https:\\\/\\\/i0.wp.com\\\/www.errare-romanum-est.de\\\/files\\\/2024\\\/12\\\/BeitragBild.png?resize=300%2C134&amp;ssl=1 300w&quot;},&quot;rdata&quot;:{&quot;from&quot;:&quot;link&quot;,&quot;podcast&quot;:&quot;35ee0e2453908acbdbdaf18a8e2cfcdf&quot;,&quot;episode&quot;:&quot;68f3f116520d430887c3b684960cf3a9&quot;}}\"><div class=\"pp-podcast__wrapper\"><div class=\"pp-podcast__info pod-info\"><div class=\"pod-info__header pod-header\"><div class=\"pod-header__image\"><div class=\"pod-header__image-wrapper\"><img decoding=\"async\" class=\"podcast-cover-image\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.errare-romanum-est.de\/files\/2024\/12\/BeitragBild.png?fit=604%2C270&#038;ssl=1\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.errare-romanum-est.de\/files\/2024\/12\/BeitragBild.png?w=604&amp;ssl=1 604w, https:\/\/i0.wp.com\/www.errare-romanum-est.de\/files\/2024\/12\/BeitragBild.png?resize=300%2C134&amp;ssl=1 300w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 25vw\" alt=\"\"><\/div><span class=\"pod-header__image-style\" style=\"display: block; width: 100%; padding-top: 44.701986754967%\"><\/div><\/div><\/div><div class=\"pp-podcast__content pod-content\"><div class=\"pp-podcast__single\"><div class=\"pp-podcast__player\"><div class=\"pp-player-episode\"><audio id=\"pp-podcast-485-player\" preload=\"none\" class=\"pp-podcast-episode\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.errare-romanum-est.de\/feed\/media\/003_Pascoli_LateinLebt.mp3\" \/><\/audio><\/div><\/div><div class=\"pod-content__episode episode-single\"><button class=\"episode-single__close\" aria-expanded=\"false\" aria-label=\"Close Single Episode\"><span class=\"btn-icon-wrap\"><svg class=\"icon icon-pp-x\" aria-hidden=\"true\" role=\"img\" focusable=\"false\"><use href=\"#icon-pp-x\" xlink:href=\"#icon-pp-x\"><\/use><\/svg><\/span><\/button><div class=\"episode-single__wrapper\"><div class=\"episode-single__header\"><div class=\"episode-single__title\">003 &#8211; Latein ist schon lange tot<\/div><\/div><\/div><div class=\"ppjs__img-wrapper \"><div class=\"ppjs__img-btn-cover\"><img decoding=\"async\" class=\"ppjs__img-btn\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.errare-romanum-est.de\/files\/2024\/12\/BeitragBild.png?fit=604%2C270&#038;ssl=1\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.errare-romanum-est.de\/files\/2024\/12\/BeitragBild.png?w=604&amp;ssl=1 604w, https:\/\/i0.wp.com\/www.errare-romanum-est.de\/files\/2024\/12\/BeitragBild.png?resize=300%2C134&amp;ssl=1 300w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 300px\" alt=\"003 &#8211; Latein ist schon lange tot\"><\/div><div><span class=\"ppjs__img-btn-style\" style=\"display: block; width: 100%; padding-top: 100%\"><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><div class=\"pod-content__launcher pod-launch\"><button class=\"pod-launch__button pod-launch__info pod-button\" aria-expanded=\"false\"><span class=\"ppjs__offscreen\">Show Podcast Information<\/span><span class=\"btn-icon-wrap\"><svg class=\"icon icon-pp-podcast\" aria-hidden=\"true\" role=\"img\" focusable=\"false\"><use href=\"#icon-pp-podcast\" xlink:href=\"#icon-pp-podcast\"><\/use><\/svg><svg class=\"icon icon-pp-x\" aria-hidden=\"true\" role=\"img\" focusable=\"false\"><use href=\"#icon-pp-x\" xlink:href=\"#icon-pp-x\"><\/use><\/svg><\/span><\/button><\/div><\/div><p>Diesmal besch\u00e4ftigen wir uns mit einem Gedicht von Giovanni Pascoli, den <em>Sosii fratres bibliopolae<\/em>. In diesem Text treffen wir auf griesgr\u00e4mige Literaturkritiker, einen jungen Dichter und alte Freunde und lernen nebenbei, dass noch an der Wende zum 20. Jahrhundert sprachlich einwandfreie und \u00e4sthetisch ansprechende, anspielungsreiche lateinische Texte produziert werden.<\/p>\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.mauriziopistone.it\/testi\/carmina\/07_sosii_fratres_bibliopolae.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">gesamter Text (lateinisch)<\/a>, \u00dcbersetzungen stammen jeweils von Nadine Fr\u00f6hlich.<\/p>\n<p>Am Anfang des Texts markiert die gro\u00df geschriebene Passage VERE NOVO (WENN DER NEUE FR\u00dcHLING KOMMT) ein Zitat aus Vergils Lehrgedicht \u00fcber den Landbau (Verg. <em>georg<\/em>. 1,43). Der Klang des Vergiltextes erf\u00fcllt den Laden, weil gerade diktiert wird &#8211; es wird also gerade eine neue Buchrolle mit dem Text hergestellt, welche sp\u00e4ter im Laden verkauft werden soll. Im weiteren Verlauf des Texts erklingen immer wieder <em>Georgica<\/em>-Passagen; entsprechend dieser engen Verflechtung des <em>Sosii<\/em>-Textes und der <em>Sosii<\/em>-Handlung mit Vergils <em>Georgica<\/em> wird in unserem obigen Textausschnitt auch der Schreibvorgang mit der Landwirtschaft verkn\u00fcpft: &#8222;auf wei\u00dfen Bl\u00e4ttern <strong>s\u00e4ten<\/strong> sie [die Kopisten] Schwarz <strong>aus<\/strong>&#8222;. Solche Bez\u00fcge zwischen Texten geh\u00f6ren zur so genannten <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Intertextualit%C3%A4t\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Intertextualit\u00e4t<\/a>, welche besonders f\u00fcr die lateinische Literatur von Bedeutung ist &#8211; vielf\u00e4ltige Anspielungen und Zitate offenbaren oft ganz neue Bedeutungsebenen.<\/p>\n<p>Zitate dieser Art stellen eine Schwierigkeit f\u00fcr \u00dcbersetzende dar: Soll der akustische Eindruck des lateinischen Zitats erhalten bleiben und der Wortlaut daher nicht \u00fcbersetzt werden, wei\u00df die Leserschaft vermutlich nicht, was inhaltlich gemeint ist. \u00dcbersetzt man das Zitat hingegen wie hier ins Deutsche, entf\u00e4llt daf\u00fcr das &#8222;Echo&#8220;. Au\u00dferdem k\u00f6nnen Leserinnen und Leser heutzutage vermutlich nicht ohne weiteres das Zitat als solches erkennen, geschweige denn seinen Kontext abrufen &#8211; deshalb sind Anmerkungen und Erkl\u00e4rungen dringend notwendig. Gar nicht so einfach, zu \u00fcbersetzen, oder?<\/p>\n<p>Im Setting dieses antiken Buchladens treten schlie\u00dflich einige Figuren auf, besonders auff\u00e4llig ein &#8222;Ich-wei\u00df-nicht-wer&#8220;, der sich sp\u00e4ter als Pompeius Varus entpuppt, ein Freund des Horaz (Quintus Horatius <em>Flaccus<\/em>). Gemeinsam haben die beiden w\u00e4hrend des B\u00fcrgerkriegs in der Schlacht bei Philippi gek\u00e4mpft und treffen im Rahmen der <em>Sosii<\/em> im Buchladen nach langer Zeit wieder aufeinander. Als im Rahmen des Diktats ebenfalls die Rede von dieser Schlacht ist, erinnern sich die beiden M\u00e4nner an ihre Zeit im Krieg (Pascoli, <em>Sosii<\/em> 184-194).<\/p>\n<p>Parallel zu den <em>Georgica<\/em> verschiebt sich der Blick schlie\u00dflich jedoch weg vom Krieg hin zum Landbau: Die verbliebenen Reste der Schlacht werden im wahrsten Sinne des Wortes untergepfl\u00fcgt. Vielleicht kann man diese Stelle so lesen, dass die Dichtung, welche ja zu Beginn der <em>Sosii<\/em> eng mit der Landwirtschaft verkn\u00fcpft wurde, als Mittel gegen den Krieg dargestellt wird? In eine \u00e4hnliche Richtung geht auch der Schluss des Gedichts, in dem der Dichter Horaz (und eben nicht der Soldat Pompeius Varus), erneut in Synchronisation mit dem gerade diktierten Text der <em>Georgica<\/em>, noch ein Friedensgebet spricht (Pascoli, <em>Sosii<\/em> 195-204).<\/p>\n<p>Nicht zuletzt aufgrund der untergebrachten <em>Georgica<\/em>-Zitate ist mit den <em>Sosii<\/em> ein lateinischer Text entstanden, der sich sprachlich nur schwer von &#8222;klassischen&#8220;, &#8222;antiken&#8220; Gedichten unterscheiden l\u00e4sst, wenn \u00fcberhaupt. Von zwangsl\u00e4ufigem sprachlichem Verfall mit wachsendem zeitlichem Abstand zu Autoren wie Vergil und Horaz kann also kaum die Rede sein. Die <em>Sosii<\/em> sind kompositorisch vielschichtig und einfach ein toller und nicht zuletzt unterhaltsamer Text, den es sich zu kennen lohnt.<\/p>\n<p>Leider k\u00f6nnt ihr die gesamte \u00dcbersetzung von Nadine Fr\u00f6hlich aufgrund von urbeherrechtlichen Bedenken hier nicht lesen. Noch nicht, denn sie wird bereits zur Publikation vorbereitet! Sobald es soweit ist, verlinken wir euch die Ausgabe hier.<!-- \/wp:post-content --><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diesmal besch\u00e4ftigen wir uns mit einem Gedicht von Giovanni Pascoli, den Sosii fratres bibliopolae. In diesem Text treffen wir auf griesgr\u00e4mige Literaturkritiker, einen jungen Dichter und alte Freunde und lernen nebenbei, dass noch an der Wende zum 20. 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